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Unsere Mundarten (nicht nur) im Saarland

Das Saarland, so klein es sein mag, ist ein Brückenland. Hier berühren sich zwei Mundartgruppen und eine dritte macht sich durch ihre Vorboten bemerkbar:

1. Moselfränkisch
Das Moselfränkische wird gesprochen im Norden und Westen des Saarlandes, also in den gesamten Landkreisen Saarlouis und Merzig-Wadern, aber auch in angrenzenden Teilen der Kreise St. Wendel und Neunkirchen sowie des Regionalverbandes Saarbrücken. Damit entfallen auf diese Mundart etwa die Hälfte der Landesfläche und ein gutes Drittel der Einwohner. Jenseits der Landesgrenze im Westen setzt das Moselfränkischsiche sich fort im nördlichen Teil des Moseldepartements (hier Francique mosellan genannt), im Norden in Luxemburg (Letzebuergisch), im Hunsrück, der Eifel und dem Westerwald und natürlich entlang der Mosel. Nicht zuletzt aufgrund der topographischen Gegebenheiten unterscheiden sich die regionalen Ausprägungen des Moselfränkischen recht deutlich.Die Grenze zum Rheinfränkischen bewegt sich, grob gesagt, durch das Naheland.

2. Rheinfränkisch
In der anderen Hälfte des Landes, also im Süden und Osten wird das Rheinfränkische gesprochen, knapp zwei Drittel der Einwohner entfallen auf dieses Gebiet. Der Saarpfalzkreis war bis zum Versailler Vertrag Bestandteil der (damals bayrischen) Pfalz. Der Großraum Saarbrücken spricht weit überwiegend rheinfränkisch, was manche Leute gelegentlich zu der unüberlegten Behauptung verleitet, dies sei “das eigentliche Saarländisch”.
Das rheinfränkische Sprachgebiet zerfällt in mehrere Regionen, die zuweilen sehr energisch auf der Abgrenzung zu den Nachbarn aus der eigenen Familie beharren. im Westen finden wir (Süd-) Lothringisch, heute Francique rhenan. “Pfälzisch”, grob unterteilt in Vorder- und, nein, nicht mehr Hinter-, sondern Westpfälzisch, gelegentlich auch “Westricher Mundart”, jenseits des Rheins Kurpfälzisch, um Worms, Alzey, Mainz und Bingen Rheinhessisch, das auf der anderen Rheinseite in kaum veränderter Form Hessisch heißt und sich im nordbayrischen Gebiet um Aschaffenburg Fränkisch nennen lässt.
So bietet sich ein verwirrend bunter Teppich verschiedener Sprachen, die doch eigentlich nur eine Sprache in den auch anderswo üblichen lokalen Varianten ist. Die Unterschiede zwischen Forbach und Frankfurt sind deutlich kleiner als zwischen Karlsruhe und Säckingen, aber während dort, zumindest nach außen, die gemeinsame Identität “Alemannisch” für Baden, Elsass, Vorarlberg, Liechtenstein und die Deutschschweiz hochgehalten wird, ist es bei uns oft sehr schwer, sich zur Gemeinsamkeit zu bekennen.Im Saarland begegnen sich Sprachlandschaften, die weit über dieses relativ kleine Gebiet hinaus reichen. Sie setzen sich fort im Westen im benachbarten Ostfrankreich und im Norden und Osten in Rheinland-Pfalz. In beide Richtungen pflegen wir freundschaftliche Beziehungen.

3. Alemannisch
Das eigentliche alemannische Sprachgebiet beginnt zwar erst in einiger Entfernung südlich des Saarlandes. Es gibt aber im Südwesten des Landes einige Orte (z.B. Ensheim), in denen der alemannische Einschlag kaum zu überhören ist. Innerhalb dieser Gruppe hat fast jedes Dorf seine deutlich abgegrenzte, eigene, typische Mundart.